Über zwei Jahrzehnte Arche

Es war einmal vor langer Zeit, da gab es junge Leute, die trafen sich in Treysa in einem Haus, welches damals noch Jugendheim hieß.

Im Gegensatz zu Märchen, die oft genauso beginnen, ist dieser Bericht eher Teil einer Fortsetzungsgeschichte, deren Ende Gott sei Dank nicht in Sicht ist.

Aber nun zu meinen Erfahrungen und Erlebnissen aus über 20 Jahren Arche.

1973 gerade eingeschult, wurden in unserer Klasse Einladungen für eine neue Mädchenjungschar verteilt. Nachdem die Eltern uns ermutigten, doch mal hinzugehen, waren meine Freundin und ich die ersten Besucher der neuen Gruppe. Eigentlich fing da meine Mitarbeit schon an, da wir nur zu zweit  waren und mit Roli Wagner, der Gruppenleiterin, Einladungen bastelten, die wir in der Schule verteilten.

Schnell wuchs die Gruppe und auch ich. Viele Gruppenstunden, Feste, Freizeiten und eine tolle Gemeinschaft erlebte ich in den folgenden Jahren. Nach der Konfirmation stand fest, diese Arbeit, die mich jahrelang begleitete und die mir sehr wichtig geworden war, als ehrenamtliche Mitarbeiterin zu unterstützen. Mit vielen anderen Mitarbeitern fuhren wir jedes Jahr auf ca. 3 Schulungen (oft Wochenenden) vom CVJM und lernten, was man in der Jugendarbeit  so können musste, leiteten Jungschar- und Jugendgruppen, organisierten Feste, Freizeiten, Turniere und vieles mehr. Im Bibel- und Mitarbeiterkreis wurde gesungen, gebetet und diskutiert. Wir waren eine wunderbare Gemeinschaft, die zusammen einiges auf die Beine stellte, aber auch ganz viel Spaß miteinander hatte. Unvergessen sind auch noch heute besondere Auftritte bei Veranstaltungen, Erfolge bei Indiacaturnieren (u.a. Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften/Damen), Freizeiten von Münchhausen bis Norwegen und vieles mehr.

Wir lernten in diesen Jahren nicht nur das ehrenamtliches Engagement sich lohnt, sondern wir erfuhren viel über unseren Glauben und konnten diesen ganz praktisch ausprobieren.

Es gab, wie in jeder Arbeit, Hoch und Tiefs, aber im Nachhinein wird deutlich, dass man gute Zeiten nur zu schätzen weiß, wenn man auch die schlechteren kennengelernt hat. Außerdem wussten und spürten wir, dass Gott auch bei uns ist, selbst wenn wir nur zu zweit oder dritt waren. Was ist von den vielen Jahren in der Arche übrig geblieben.

Ein gewachsenes Gottvertrauen und viele gute Freundschaften, die bis heute Bestand haben.

 

Anette Steuber

Erinnerungen an die „Arche“

Auch in den ersten Jahren der „Arche“ fand schon an einem Nachmittag der Woche die Jungschar als ein Angebot der Kirchengemeinde, getrennt nach Mädchen und Jungen, statt. Wir Mädchen trafen uns in den Jahren von ca.  Mitte/Ende der 1950iger Jahre in der damals noch ganz neuen „Arche“, um unter Anleitung von Frau Renate Wegener und ehrenamtlichen jugendlichen Mitarbeiter/innen zu spielen, zu basteln, zu singen oder Geschichten aus der Bibel zu hören. Es waren immer Stunden, die wie im Flug vergingen und die uns Freude machten.

Im Besonderen ist mir das „Adventssingen“, das aus den Aktivitäten der Jungschar heraus entstand, im Gedächtnis: in Gruppen von drei oder vier Mädchen besuchten wir auf Wunsch alte Gemeindemitglieder, für die der Weg in die Kirche zu beschwerlich war.  Wir sangen Advents- und Weihnachtslieder, ließen einen Tannenzweig mit einer brennenden Kerze zurück und haben dabei hoffentlich ein klein wenig adventliche Stimmung verbreitet.

Mit der Konfirmation endete die Zeit in der Jungschar. Für die Konfirmierten wurde dann einmal im Monat nach dem Sonntagsgottesdienst die „Christenlehre“ als weitergehende Unterweisung für junge Christen angeboten.

Hella Helfert

 

 

Sommer 1955 - Bau des Jugendheimes, heute Arche

Meine Freundin, Traudlind Wetzel, war Mitglied bei den Pfadfindern. Sie überredete auch mich, beim Bau des Jugendheims mitzuhelfen. Wir siebten Sand und schleppten Steine. Studenten aus vielen Ländern halfen mit. Sie waren privat bei Familien untergebracht. Meine Familie hatte eine Amerikanerin zu Gast. Mit 45 Jahren, nach 25 Jahren als Kassiererin im Supermarkt, studierte sie nun Kirchenmusik. Wir Jugendlichen in Treysa waren von den Studenten fasziniert, denn bis dahin hatten wir noch nie ausländische Menschen kennengelernt. Leider habe ich keine Teilnehmerliste aus dieser Zeit. Ich erinnere mich noch, dass ein Student auch aus Schlitz und Jutta von Harnier aus Rommershausen dabei waren.

 

Jeder Abend wurde von einer anderen Nation gestaltet. Es wurde ein landestypisches Gericht gekocht; wir hörten Geschichten, lernten Lieder. Giorgio, Dante und Feruccio lehrten uns Santa Lucia auf italienisch.

 

Dieser Sommer war so ungeheuer lehrreich und fröhlich. Noch einige Jahre bekam ich Ansichtskarten aus Chicago und Turin.

 

Wie schön, dass es dieses lebendige Jugendheim immer noch gibt.

 

Hildegard Kempf

 

 

 

Erinnerungen an die Zeit der Christlichen Pfadfinder in der Kirchengemeinde

Meine Erinnerungen an die Anfänge der Arche, oder besser an den Bau und die ersten Jahre des Evangelischen Jugendheimes beginne ich mit dem Spätherbst 1954. Viele meiner Klassenkameraden aus den Wohngebieten Friedrich Ebert Straße (Niederrheinische Straße), Alter Bahnhof, Sportweg und Parkwäldchen mussten jeden Schultag an der neu gebauten Grund- und Hauptschule vorbei gehen, in die Oberstadt, in die alte Volksschule hinter der Stadtkirche; dort war unser Klassenraum mit direktem Blick über die Stadtmauer. Der Weg nach Hause führte uns meistens an der Totenkirche vorbei und oft genug auch für eine kurze Zeit auf das Gelände der alten Kirche. Dort begann für mich die Zeit des Evangelischen Jugendheims, noch bevor es eingeweiht war.

Meine Spielkameraden und ich verbummelten mal wieder unsere Zeit auf diesem Gelände als wir auf eine Gruppe Jugendlicher trafen, die uns nicht gleich unfreundlich aus „ihrem Gebiet“ verjagen wollten. (In dieser Zeit gab es in jedem Wohngebiet sogenannte Banden, die über die territoriale Hoheit verfügten; und wehe den Fremden!) Sie sprachen uns an, sagten, dass sie zu einer Jugendgruppe gehörten, die sich regelmäßig im damaligen Jugendraum träfen. Auffällig war, dass einige dieser Jugendlichen ein graues Hemd und ein blaues Halstuch trugen. Ihr Verhalten uns Kindern gegenüber war anders als wir es sonst gewöhnt waren, ihre Spiele ebenso: die Neugier war geweckt.

Einige Zeit später, nach einem weiteren Kontakt, ging ich mit in den Jugendraum. Das war ein zimmergroßer Raum in einem alten, baufälligen Wirtschaftsgebäude, das zu einem der Pfarrhäuser in der Burggasse gehörte und dicht an der Stadtmauer stand. Man musste durch die noch heute existierende kleine Pforte hinter der Totenkirche gehen, die heute ein Zuweg zum Haus für Gemeinschaftspflege ist. Ich gehörte nun zu einer neuen Gruppe von 10 – 12-jährigen Kindern, die neu aufgebaut werden sollte und die sich „Neulinge der Siedlung Franz von Roques der Christlich Pfadfinder Deutschlands“ nannte. Mir erschloss sich eine neue Welt: die Spiele waren anders, die Andachten persönlicher als im Kindergottesdienst, das Miteinander anders als in den „Banden“. Dort erfuhr ich dann auch, dass ein neues Jugendheim in der Ascheröder Straße gebaut wird, in das man dann auch einziehen darf.

Im Frühjahr und Sommer 1955 waren wir Pfadfinder immer wieder einmal an der Baustelle, um mit zu helfen, Wege zu machen, kleine Arbeiten zu verrichten. Begegnungen mit Mitgliedern der Brüdergemeinde, die aus den verschiedensten Ländern kamen und im Rahmen eines internationalen Camps ihre Arbeitsleistung und christliche Motivation mit in den Bau des Jugendheimes einbrachten, waren für uns wie eine Begegnung der dritten Art.

Unsere Gruppe, Sippe genannt, hatte sich im Laufe der Monate gefestigt, wir hatten einen verlässlichen Gruppenleiter und zog zusammen mit den anderen Pfadfindern und den vielen anderen Jugendgruppen gemeinsam in die Stadtkirche zum Festgottesdienst anlässlich der Einweihungsfeier des Jugendheimes ein. Der gemeinsame Marsch von der Kirche zum Jugendheim war dann schon ein besonderes Erlebnis. Die vielen dort gehaltenen Reden waren für uns Kinder eine harte Prüfung, wir wollten ja schließlich ‚unseren‘ Raum kennen lernen.

Der Raum der Pfadfinder war im Keller. Gleich links hinter der Eingangstüre stand ein Ölofen, Sitzecke und Stühle waren für etwa 10 - 12 Personen eingerichtet, in einer Ecke befanden sich Wimpel und Fahnen der verschiedenen Gruppen und dann existierte noch ein Schrank für Materialien und Literatur. Neben den Toiletten gab es noch Abstellräume und eine Küche im Keller. Alle anderen Gruppenräume waren im Erdgeschoß, das Dachgeschoß war vermietet.

Das Haus war von Anfang an gut besucht, neue Gruppen kamen hinzu, die Belegung musste gut geplant werden. Ich zitiere eine Passage aus dem Magistratsbericht von 1956, Kapitel ‚Kirchliches Leben‘: „Gemeindegruppen sind der Männerkreis, der Evangelische Bund und fünf Jugendgruppen (CVJM, Christliche Pfadfinder, Evangelischer Mädchenkreis mit zusammen etwa 250 Mitgliedern und der Jugendbund für EC (…)“ Ergänzend muss gesagt werden, dass zu den Christlichen Pfadfindern auch die Gruppen der Mädchenpfadfinder gehörten, die ‚Evangelischen Mädchenpfadfinder.

Auf Grund der Mitglieder- und Gruppenentwicklung avancierte 1957 die bisherige ‚Siedlung‘ zum „Stamm Franz von Roques der Christlichen Pfadfinder in Treysa“ Nach der Gründung 1950 vom Hephata-Diakon Alfred Kunkel (zu dem ich noch heute Kontakt habe) gab es immer auch Kontakte und Kooperationen mit Hephata, wo eigenständige Pfadfinderarbeit existierte. Die Attraktivität der Pfadfinderarbeit war groß, etliche Mitglieder kamen von außerhalb, von Stadt Allendorf über Neustadt, Ziegenhain und einige Dörfer der Schwalm. Die meisten Mitglieder kamen von der Mittelschule und den Gymnasien in Treysa und Steinatal. (Man muss dabei bedenken, dass Hauptschüler nach der Konfirmation, also mit 14 Jahren, im Berufsleben standen). Ende der 60er Jahre besuchten etwa 50 Jugendliche die Gruppenstunden, nahmen an Wochenendlagern, Pfingst- und Herbstlagern teil, etliche waren in den Sommerferien drei Wochen mit dem Fahrrad auf ‚Großfahrt‘ in Deutschland und im Ausland unterwegs, manche auch bei internationalen Camps, den Jamborees, dabei.

Das Miteinander der unterschiedlichen Gruppen im Jugendheim klappte im Großen und Ganzen ganz gut, es gab monatliche Treffen der Leiter, meist mit dem zuständigen Pfarrer, viele Dienste im und um das Haus herum wurden in Eigenverantwortung geleistet. Wir Pfadfinder hatten in diesem Miteinander eine besondere Rolle, wir waren selbständig und rechtlich nicht dem Treysaer Kirchenvorstand verantwortlich, also eher Gäste im Haus; wir fühlten uns aber der Kirchengemeinde inhaltlich und organisatorisch verpflichtet, haben uns eingebracht mit Jugendgottesdiensten, Andachten, Krippenspielen und Laienspielen. Unsere Arbeit war ausschließlich ehrenamtlich organisiert, die Gruppenleiter in der Regel durch Angebote der Landeskirche und den Landesverband der Christlichen Pfadfinder geschult.

Diese Entwicklung war in hohem Maße Pfarrer Roth zu verdanken, der nicht nur den Bau des Jugendheimes vorangetrieben hatte, sondern auch in der Vielfältigkeit von Angeboten in der christlichen, gemeindebezogenen Jugendarbeit die Grundlagen einer zukunftsorientierten Jugendarbeit sah, mit hohem Maß an Eigenverantwortung und diskreter Kontrolle und Begleitung. Für uns Jugendlichen war diese Zeit prägend, auch und insbesondere in Bezug auf den persönlichen Glauben und dem Verständnis von Kirchengemeinde.

Rainer Göbel

60 Jahre Arche - Für Generationen von Jugendlichen wurde sie zu einer Heimat auf Zeit, in der sie prägende Erfahrungen sammelten.

 

Auf dieser Seite können Berichte aus diesen Jahren ihren Ort finden. Möchten Sie auch Ihre Erfahrungen aus der Arche schildern? Senden Sie Ihren Bericht und/oder Fotos an gemeindebuero.treysa (at) ekkw (dot) de!

 

 

Hauptamtliche in der "Arche"

1973 - 1974 Roland Wagner

1974 - 1978 Rosemarie Wagner

1978 - 1991 Roland Wagner

1992 - 2004 Ulrike +

                     Joachim Grössel

2005 - 2011 Anke Nick

2011 -          Sven Wagner